Nach soziologischer Definition sind Werte „bewusste oder unbewusste Vorstellungen des Gewünschten, die sich als Präferenz bei der Wahl zwischen Handlungsalternativen niederschlagen.“Das meint, wenn ich auf der Straße beleidigt werde und meine Reaktion überdenke, dann reagiere ich mit Worten statt mit Fäusten, weil ich mir darüber im Klaren bin, dass Gewalt als Reaktion in unserer Gesellschaft inakzeptabel ist.
Weiterhin kann unterbewusst z.B. noch dazu kommen, dass meine Eltern mich pazifistisch erzogen haben und ich mich deshalb noch nie geschlagen habe. Soziologen sprechen im Zusammenhang von Werten gern vom „Wertewandel“, womit sie hauptsächlich die im letzten Jahrhundert stattgefundene Veränderung von materialistischen hin zu postmaterialistischen Werten meinen. Dadurch dass die materialistischen Werte, also Existenzsicherung und Sicherheit zunehmend gedeckt waren, begann der Fokus der Menschen sich in Richtung der postmaterialistischen Werte, wie soziale Akzeptanz und Selbstverwirklichung zu verschieben.[1]
Werte im Internet
Es ist höchst interessant zu beobachten, was für einen Einfluss moderne Medien auf Wertvorstellungen haben, bzw. ob und wie sie neue Wertvorstellungen prägen.
Warum beispielsweise akzeptieren Menschen in Online-Rollenspielen soziale Regeln, die aus dem realen Leben kopiert und auf das Spiel angewendet werden? Wieso rennt selten jemand schreiend umher und schadet den anderen? Offenbar handelt man meist gemäß dem Prinzip der sozialen Erwünschtheit und das obwohl man in diesen Spielen ja anonym unterwegs ist.
Gemäß der oben stehenden Definition kann man auch das so genannte „Capslocken“ als eine Art Wertevorstellung betrachten, die sich im Internet herausgebildet hat. So wie es als unschicklich gilt, auf offener Straße rumzubrüllen, so hat sich das permanente Betätigen der Feststelltaste zwecks GROSSSCHREIBUNG als Analogie zum Schreien im Internet als unangemessen herausgebildet.
Auch war es vor Jahren noch undenkbar, mit fremden Menschen Fotos über das Internet zu tauschen und zu flirten und trotzdem tun das viele Menschen inzwischen relativ unbefangen, um nicht zu sagen, dass es inzwischen eine echte Alternative bei der Partnersuche geworden ist.
Werte treten immer im Verbund mit Bedürfnissen auf und das Internet bietet völlig neue Möglichkeiten Wertbedürfnisse zu befriedigen.
Zukunftsmusik
Wird es irgendwann vielleicht einmal unschicklich werden, in seiner realen Gestalt das Haus zu verlassen? Gehen wir über unsere Dummies nach draußen, wie im schon mal erwähnten Film Surrogates oder legen wir uns einen Avatar zu, der uns nicht spiegelt, sondern an besondere Bedürfnisse angepasst ist, wie z.B. schrilles Äußeres fürs Nachtleben oder große Stärke für die Arbeit?
Die Internetgemeinde hat meiner Meinung nach starken Einfluss auf die Akzeptanz solcher neuen Konzepte, vieles an innovativen Vorstellungen kommt inzwischen aus diesem Bereich und setzt sich auch im Alltag durch. Beispiel gefällig? Heute schon lol gesagt oder es jemanden sagen gehört?
[1] Wer sich für das Thema noch spezieller interessiert, kann sich gern melden, ich hab dazu noch ausreichend Material und auch ein etwas längeres Essay.













