Drupal besitzt kein Backend und das ist auch gut so. Das System verfügt über eine Menge administrativer Oberflächen, die aber nicht gerade optimal sind. Seiten wie "admin/content/node" sind eine Hilfe, aber gerade diese Liste aller Inhalte verfügt nur über eingeschränkte Funktionen. Außerdem muss eine Gruppe, die diese Liste bedienen darf, das Recht "Inhalte verwalten" haben, was bedeuten würde, dass sie automatisch alle Inhalte verwalten kann. Alles sehr unpraktisch!
Da Drupal aber ein modulares System ist und Views einfach toll, kann man beides kreativ verwenden. Ich gehe bei diesen Tipps davon aus, dass ihr Views grundsätzlich konfigurieren könnt.
Pro
Mit Views können wir uns Listen erschaffen, wie wir sie brauchen. Eine Übersicht über Nodes eines bestimmten Typs ist schnell erstellt. Dazu noch ein paar Exposed Filter und man ist schon fast auf dem Stand von "admin/content/node", nur ist das Filterformular besser. Oder erstellt mehrere Views mit oft gebrauchten Anforderungen und legt diese in ein nur für den Administrator sichtbares Menü. Das kennt eigentlich keine Grenzen.
Für die Administratoren sollte man auch überlegen, ob man Ajax aktiviert und damit ermöglicht, dass die Views noch schneller zu navigieren sind. Für Gäste ist es meist so, dass wir Werbung anzeigen wollen und Ajax eine schlechte Idee ist. Ein einzelner Seitenaufruf kann leicht verfolgt werden, Ajax nicht. So kann man auch Blöcke mit Blätterfunktion erschaffen, die nicht immer die Seite nachladen. Dabei ist aber zu beachten, dass die Pager aller auf einer Seite verwendeten Views eine eindeutige Nummerierung bekommen.
Die andere gute Sache zur Administration ist Tabellen zu verwenden. Tabellen sind kein grundsätzlich böses Markup. Nur sollte man in einer Tabelle auch tabellarische Daten anzeigen. Views bietet z.B. an, eine Tabelle über die Kopfzeile zu sortieren. Auch haben Tabellen eine sehr saubere und aufgeräumt wirkende Struktur.
Views Batch Actions (VBO) ist dann unser Schweizer Armeemesser zur Arbeit. Es bringt zu einem View Checkboxen mit und eine Vielzahl an Aktionen, die man auf den Inhalt des Views anwenden kann.
Auch interessant ist dass Administration Menu vorgefertigte Views mitbringt um die normalen Drupal Listen zu ersetzen. Ich weiß aber nicht, wie der aktuelle Stand ist und hatte damit vor einigen Monaten Probleme. Aber einfach mal anschauen, die Idee ist sehr gut!
Da Views exportierbar sind, kann man sich durchaus Vorlagen erstellen und diese immer wieder verwenden. Oder man benutzt gleich Features und erschafft sein eigenes "Drupal Administration" Modul.
Contra
Bis hier ist das alles eine ganz normale und tolle Sache in Drupal und es gibt dazu direkt auch kein Kontra. Aber man sollte sich vor Augen halten, weshalb Drupal kein Backend hat. Beginnen wir mit Views, uns eine spezielle Oberfläche zu bauen, da man sonst der Inhalte nicht mehr Herr wird, läuft etwas massiv schief auf der Seite. Warum ist eine Liste, die einem Administrator die Navigation durch die Inhalte erleichtert, nichts für die Besucher? Warum muss der User immer die Teaser-Ansicht bekommen und keine Tabelle?
Für mich ist das wichtigste Credo, dass man mit seiner Website arbeiten muss. Verkriecht man sich in einem Backend, wird man nie selbst in Erfahrung bringen können, wie sich die eigene Seite anfühlt. Fragen wie "Was sehe ich?", "Worauf achte ich?" und "Wo klicke ich hin?" sind dann nur durch die Besucher zu beantwortende Fragen. Die Antworten zu erfassen ist dann ein langer und schwieriger Prozess. Wenn man eine Social Media Website betreibt, sollte man unbedingt schauen, dass man ein Teil seiner eigenen Community ist.
Aus SEO-Sicht sollte man auch aufpassen, dass man nicht immer den Node Teaser anzeigt, auch wenn man meint, dass es netter aussieht. Google kann hier schnell Duplicated Content erkennen. Die Taxonomie Seiten, die zu einem wenig genutzten Begriff immer die gleichen Node Teaser anzeigen, werden hier die Inhalte duplizieren. Von daher bietet sich hier eine Tabelle der Titel an, die vielleicht auch leichter zu navigieren und zu filtern sind. Der Besucher wird uns dies auch danken, da er schneller an die gesuchten Informationen kommt.
Wichtig ist einfach, dass Administratoren und Besucher die Inhalte auf gleiche Weise finden. Was bei dem einen klappt, wird auch beim anderen passen. Für die Administratoren können wir spezielle Links erstellen, um zum Beispiel direkt Node-Edit anzubieten. Wenn wir noch mehr wollen, können wir für Administratoren auch eine eigene Panel-Variante anzeigen, die dann wieder VBO benutzt. In jedem Fall geht der Administrator den gleichen Weg zum Inhalt wie der Benutzer.
Grabt euch nicht in einem selbst erstellten Backend ein! Nehmt an eurer Seite als Community teil. Die Redaktion hat mehr Rechte als ein Benutzer, benutzt aber die Website. Selbst eine Auftragsverwaltung sollte man als Teil der Site betrachten, zu der nur eine Gruppe mit speziellen Rechten Zugriff hat. Diese Gruppe ist aber auch ein Gast der Website, der eine spezielle Aufgabe erfüllen soll. Und das so leicht wie möglich. Es kommt immer wieder das Argument, dass man ein Backend "lernen" kann. Schön und gut, aber wie soll es sich dann an einen Workflow anpassen? Also habe ich auf meiner gelernten Sonderseite dann doch wieder Dinge, die ich neu lernen muss. Und wieso ist die "andere" Seite dann nicht auch gelernt? Alles nur schwer verständlich und auch nicht passend für ein flexibles System wie Drupal, das sich den Bedürfnissen der Besucher anpasst.
Durch dieses Vorgehen arbeitet man auch sehr direkt mit Drupal und seinen Möglichkeiten zusammen. Die Tabs über den Inhalten werden nicht umsonst "Lokal Tasks" genannt. Und die Links am Ende des Inhalts gehören auch zu dieser Strategie und sollten nicht einfach weggelassen werden.
Den ganzen hässlichen Kram, den wirklich niemand sehen braucht, übernimmt dann der Drupal Dienstleister eures Vertrauens :)

















