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Wie ist „social media“ zu werten?

Nähert man sich dem Thema von den Grundlagen der Soziologie aus, so sind nach Max Weber (1864-1920) die Begriffe „verhalten“, „handeln“ und „soziales handeln“ wie folgt definiert und abgegrenzt:

Sich verhalten meint, einfach nur Etwas zu tun, bspw. Aus Reflex, wie sich die Nase zukratzen, wenn sie juckt.

Handeln muss dagegen schon mit einem Sinn – den ich jetzt nicht eigens soziologisch definieren will – verbunden sein, also muss der Tat eine Reflexion vorausgehen, was man erreichen will, beispielsweise den Apfel nehmen, weil man Hunger hat.

Doch erst soziales Handeln ist das, was uns in Verbindung mit der Gesellschaft treten lässt: Denn nur wenn der Sinn der Handlung auf eine andere Person gerichtet ist, sprechen wir von sozialem Handeln. Sprich, wenn ich bspw. Jemandem zur Begrüßung die Hand reiche, um ihm zu signalisieren, dass ich ihm Respekt zolle. Somit ist nach Weber soziales Handeln nur in einer sozialen Beziehung möglich.

Nun stellt sich also die Frage, verbinde ich mit meinen Tätigkeiten bei Twitter, Facebook und Co immer einen auf andere Personen gerichteten Sinn oder geht es nicht viel mehr häufig um pure Selbstdarstellung, sprich um handeln? Foto hochladen damit es online ist und fertig.

Ist es nicht sogar teilweise wirklich soweit, dass sich lediglich nur noch verhalten wird? „Martin möchte ihr Freund werden.“ Wie oft klickt man auf „bestätigen“ ohne vorher reflektiert zu haben wer Martin ist? Was der Begriff Freund für einen selbst meint und ob man mit Martin befreundet sein möchte/ist?

Wenn ich mich dann also nur verhalte und Martin hinzufüge ohne nachzudenken, was sind die intendierten/nicht intendierten Folgen? Verursache ich damit Konflikte oder betreibe ich Konfliktvermeidung, da ich Martin nicht erklären muss, weshalb ich ihn abgelehnt habe?

Es stellen sich so viele Fragen, wenn man einmal anfängt und das alles führt irgendwann zu der Frage „Wer denkt (darüber) überhaupt nach?“

Informationskultur ist eine tolle Sache, aber nur wenn ich mit meiner Handlung einen Sinn verbinde und mir diesen Sinn wirklich überlegt habe und mich nicht bloß affektuell verhalte, nur dann verarbeite ich die Informationen auch richtig zum vollen Nutzen.

Momentan kursiert im Kino eine interessante Werbung, die sich mit dem Phänomen Webkultur kritisch auseinander setzt. Unter anderem heißt es da: „Wir haben online so viele Freunde, dass wir ein neues Wort für die echten brauchen.“ Das ganze ist als Förderung des aus der Mode geratenden Mediums Zeitung, speziell „Welt kompakt“ gedacht.

Ist das wirklich die aktuelle Entwicklung und wenn dem so ist, sollte man das unterstützen oder sollte man sich sperren und wieder mehr Zeitung lesen? Sich mal mit seinem Nachbarn im Hausflur unterhalten? Wissen sie eigentlich was ihr Nachbar beruflich macht?

„Facebook ermöglicht es mir, mit den Menschen in meinem Leben in Verbindung zu bleiben“. Aber zu Menschen in meinem Leben halte ich doch auch so Verbindung? Ich rufe meine Eltern, meine Freunde an, treffe sie wenn möglich oder chatte mit ihnen.

Wirklich Soziales findet in der Realität statt, also sollte social media bemüht sein, die Realität zu kopieren, statt nur Verknüpfungspunkte anzubieten.

Ein Ansatz der nicht unmodern, sondern im Gegenteil höchst modern ist.

Wenn die technischen Wissenschaften als Beispiel heran gezogen werden, kommen die erfolgreichsten Vorlagen für Innovation inzwischen aus der Natur, wieso sollte man das Model also nicht auch auf die Arbeit im und mit dem Internet übertragen?

Aber vom Gegenteil würde ich abraten. Oder wollen sie ihre Freunde mit Namen und Infos bepinnen? Sind sie schon mal in einen Raum gekommen, haben angefangen was zu erzählen und nach 200 Wörtern wegen des Limits aufgehört? Der Versuch würde mich aber mal interessieren...

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