Bei comm-press haben wir massiv mit Spam zu kämpfen. Trotz Spam-Filtern trudeln jeden Tag unzählige Mails ein, die sich in der nach oben offenen Skala zwischen unerwünscht über blödsinnig bis dummdreist bewegen.
Mit jeder Werbemail steigt potentiell die Gefahr, dass seriöse Mails untergehen.
Für Spammer aus Übersee trainieren wir unsere lernfähigen Junk-Filter. Einige besonders dummdreiste Versender aus Deutschland haben wir inzwischen bereits erfolgreich abmahnen lassen.
So traf es sich gut, als neulich ein Werbefax der "Neuen Robinsonliste" herein flatterte, das uns anbot uns kostenlos in die Robinsonliste eintragen zu lassen. Die Robinsonliste ist eine Institution, bei der man seine eigenen Adressdaten hinterlegen um sie gegen unerwünschte Werbung sperren zu lassen. Seriöse Werbeversender gleichen ihre Adresslisten gegen diese Bestände ab um unerwünschte Belästigung zu vermeiden.
So haben wir von dem kostenlosen Angebot Gebrauch gemacht und unsere Daten per Fax übermittelt. Der Wortlaut des Faxes lautete:
Dringende Mitteilung aufgrund der Zunahme unerwünschter Werbung
Sehr geehrte Damen und Herren,
aufgrund der Zunahme unerwünschter Werbung geht die Neue Robinsonliste nun verstärkt gegen Werbetreibende vor.
Schützen Sie Ihre Firma jetzt und tragen Sie sich in die Neue Robinsonliste ein, um sich vor unerwünschter Werbung per Telefon, Fax, E-Mail und Post zu schützen.
Wir tragen Ihre Daten kostenfrei in die Neue Robinsonliste ein. Werbetreibende sind dann angehalten diese DAten aus ihren Werbekarteien zu löschen, sodass Sie weniger Werbung erhalten.Füllen Sie bitte den untenstehenden Abschnitt aus und faxen ihn zurück an die 069 - XXX XX XXX
Wir tragen Sie dann umgehend in die Neue Robinsonliste ein.
Mit freundlichen Grüßen
Der Vorstand
Neue Robinsonliste
So wie Spam-Mails meistens mit Betreffzeilen der Art "Fortsetzung blockiert!" Angst einjagen, hätte uns der Hinweis "Dringende Mitteilung ..." eigentlich schon hellhörig machen sollen. Seriöse Anbieter würden niemals eine solch aufgeregte Ansprache wählen.
Im Gegensatz zu der Beispiel-Spammail, die sich sich im Mail-Body entwaffend blöde selbst entlarvt hat "Sehr geehrter PayPal: Achtung! Ihr PayPal-Konto wurde begrenzt!" waren wir doch sehr überrascht, als wir einige Wochen später eine Rechnung 350,- EUR zzgl. Mehrwertsteuer erhielten.
Zusammen mit der Rechnung wurde uns quasi zur Beweissicherung unser "Auftrag" in Kopie mit übersendet, auf dem wir im Kleingedruckten folgendes unterschrieben haben:
Tragen Sie mich bitte in die Neue Robinsonliste gegen unerwünschte Werbung ein.
Die Eintragung in die Neue Robinsonliste ist kostenfrei. Wir stellen Callcentern und anderen Werbetreibenden die Daten zum Abgleich zur Verfügung. Diese Firmen werden angehalten Ihre Daten aus ihren Werbekarteien zu löschen, sodass Sie weniger Werbung erhalten.
Außerdem bieten wir Ihnen die Weiterleitung Ihrer Daten an Werbetreibende zwecks Löschung an. Für diesen Service berechnen wir Ihnen eine Bearbeitungspauschale in Höhe von 350,- EUr netto für ein Jahr. Dieser Service verlängert sich jeweils um ein Jahr, wenn nicht innerhalb des ersten Jahres gekündigt wird. Ihre Daten leiten wir zweimal järhlich an bis zu 320 verschiedene Werbetreibende mit der Bitte um Löschung wieter. Um diesen optionalen Service zu untzen unterschrieben oder stempeln Sie bitte unten. Fehlt die Unterschrift oder der Stempel nehmen wir nur die kostenlose Eintragung vor.
Der Rechnung haben wir per Einschreiben / Rückschein widersprochen.
Die echte Robinsonliste
Ein Blick auf die Website der wirklichen Robinsonliste zeigt, dass der Nepp dort bereits bekannt ist und auch dagegen vorgegangen wird.
Auf der Homepage ist der folgende Hinweis unübersehbar angebracht:
AKTUELLER HINWEIS
Es wird immer wieder von unbefugten Dritten unter unautorisierter Bezugnahme auf die Robinsonliste versucht, Verbraucher gegen Entgelt zu angeblichen Schutzdiensten zu überreden.
Ein aktueller Fall ist die “NEUE ROBINSONLISTE”. Wir haben die Betreiber unter Klageandrohung bereits aufgefordert, das Wort “Robinsonliste” wegen Missbrauchs sofort aus ihrem Namen zu löschen.
Diese Dienste stehen in KEINER tatsächlichen Verbindung zur Robinsonliste und sind von dieser auch NICHT zu irgendwelchen Handlungen ermächtigt.
Der Eintrag in die Robinsonliste ist für den Verbraucher IMMER KOSTENLOS !
Melden Sie Verstösse unverzüglich der Verwaltung der Liste.
Die "unechte" Website http :// neue-robinsonliste . de , die ich hier nicht verlinken möchte, um ihr keinen zusätzlich Auftrieb zu verleihen, ist der echten Website in ihrer Aufmachung und Farbwelt sehr ähnlich nachempfunden. Sie hat aber so viel "gestalterischen Abstand", dass sie nicht als Plagiat abgemahnt werden kann.
Bezeichnenderweise kam unser Einschreiben heute unzustellbar zurück: Unter der angegebenen Berliner Adresse konnte der entsprechende Empfänger nicht ermittelt werden. Der Betreiber hat immerhin auf unser parallel zum Einschreiben abgeschicktes Fax reagiert, in dem er uns freundlich erklärt hat, dass der Auftrag bereits ausgeführt und damit nicht mehr auf dem Kulanzwege zu stornieren sei.
Abwehrmaßnahmen
Unser Anwalt gab uns den Ratschlag, wir sollten:
Er meint, wir sollten den Auftrag widerrufen, kündigen sowie wegen Irreführung und nicht werthaltiger Leistung anfechten. Danach sollen wir gar nichts mehr tun. Es ist zu erwarten, dass Schreiben von Inkasso-Büros eintreffen werden, die wir aufbewahren sollten.
Sollte danach ein gerichtlicher Mahnbescheid eintreffen, sollten wir widersprechen, woraufhin die Gegenseite ihre Ansprüche begründen muss.
Erst danach kommt der Anwalt ins Spiel... Das ist jedoch nicht zu erwarten.
Der Mitarbeiter der Verbraucherzentrale gab uns den Tipp den Vorgang vollständig zu ignorieren. Sollten Schreiben Inkasso-Büros eintreffen, können wir uns an die echte Robinsonliste wenden, die mit den "Kollegen" spricht.
Dummdreisterweise stellt der Versand des Werbefaxes der "Neuen Robinsonliste" selbst den Tatbestand unerlaubter Werbung dar, die von der Regulierungsbehörde mit Strafen bis zu 25.000,- EUR geahndet werden kann. Der Mitarbeiter sagte mir am Telefon, dass die echte Robinsonliste gegen diesen Faxspam bereits juristisch vorgeht.
Was für eine abstoßende Art Geld zu verdienen! Ich bin jedes Mal wieder fassungslos, dass es Menschen gibt, die Ihr parasitäres Dasein auf solche Einnahmequellen aufbauen...
Wir werden die erste Variante wählen und die Leistung sicherheitshalber anfechten. Den Schreiben der Inkassobüros und etwaigen Mahnbescheiden sehen wir gelassen entgegen...














