BLOG

Social media like

Social media als Begriff ist einer, der mir von Anfang an leicht sauer aufstieß. Denn bisher kann ich bei allen mir bekannten Projekten nicht wirklich das entdecken, was ich mit „sozial“ in Verbindung bringe.

Eher habe ich häufig den Eindruck, dass es sich eher um banalen Voyeurismus oder Selbstdarstellung handelt. Sozial ist für mich stark mit Interaktion verknüpft, wozu ich gegenseitiges Kommentieren, wie man es bei Twitter, Facebook und StudiVz findet, nur am Rande zähle. Manch einer mag dagegenhalten, er erstelle auch Events und lade Leute ein daran teilzunehmen oder erstellt Gruppen, der andere Personen beitreten, aber das ist doch eher lediglich Reaktion und Gegenreaktion. Selten kommt es zu einer wirklichen Kette von miteinander verknüpften Aktionen bzw. Interaktionen. Eben diese Ketten sind für mich ein Kerngut von Sozialem, nach meinem persönlichen Verständnis.

„Way to go

…wie der Amerikaner sagt. Zwar bietet Facebook wie auch StudiVz inzwischen einen eingebundenen Chat an, aber ein richtiges social media Konzept hab ich bisher noch nicht kennengelernt. Wobei, Chatroulette ist etwas, was meiner Vorstellung von social media schon eher entgegenkommt. Hierbei werden zufällig ausgewählte Personen weltweit in einem Chat mit Video zusammengeführt. Wie immer gibt es dabei witzige, langweilige, eklige und kreative Leute. Aber gerade dieses Unerwartete macht den Reiz aus, genau wie man ja auch bei realer Sozialisation nicht wirklich wissen kann, was einen erwartet. Gerade dieses „rouletteartige“, eben ein gewisses Risiko ist, was social media bisher noch abgeht. Es werden sichere Räume zum Spielen und Kommunizieren geschaffen, die realitätsähnlich sein sollen, bei genauerer Betrachtung aber wie eine kontrollierte Schutzsphäre wirken.

Gefahrlose Risiken

Ich will hier nicht dafür plädieren, dass Leute, die innerhalb von social media Fehler machen, Gegenstand von Thilo Sarrazins nächstem Buch werden. Doch auch im realen Leben laufe ich bei Kommunikation – und das ist auch der wesentliche Inhalt von social media – Gefahr, falsch verstanden zu werden, mich lächerlich zu machen oder nicht ernst genommen zu werden. Im Netz wird mir immer noch eine Sicherheitsleine hingehalten. Eine Möglichkeit Fehler zu löschen gibt es eigentlich immer, um somit den Schaden zu begrenzen. Aber wo ist das im wirklichen Leben ein unlösbares Problem? Gelegentlich muss man sich mal zurückziehen, revidieren, sich entschuldigen oder Ergebnisse schlichtweg akzeptieren und weitermachen. Wir lernen ständig Neues und vornehmlich lernen wir aus unseren Fehlern.

Lernen mit social media umzugehen

Gerade das ist ein wichtiges Prinzip, welches für social media entdeckt werden sollte. Denn erst Fehler zeigen Alternativen auf, die häufig zu einem weit besseren Ergebnis als ursprünglich erhofft führen. Mit dem zunehmenden Anteil von social media am Alltagsleben muss man anfangen nachzudenken, wie die richtige Art des Umgangs damit zu erlernen ist. Das könnte sogar ein völlig neues Berufsfeld werden. Heute würde man, wenn man auf die Frage „Was machst du eigentlich beruflich?“ mit „Ich bringe Leuten bei, social media richtig zu benutzen“ antwortet, wohl einen Moment des verständnislosen Schweigens riskieren, aber wer weiß wie das in zehn-zwanzig Jahren ist. Eventuell ist das dann schon, als hätte man gesagt, man sei Immobilienmakler.

Social media like

Dem Begriff social media würde ich lieber noch ein like nachstellen, um auszudrücken, dass es ähnlich, aber noch nicht genauso ist. Wie schon in vorherigen Artikeln angesprochen, ist die Vorstellung von dem, was die Zukunft uns noch bieten mag, faszinierend. Doch ist sie auch – zumindest bei einigen Gedankenspielen – beängstigend. Wie sehr wird sich die virtuelle Welt der Realität annähern und wollen wir das? Können wir das dann noch trennen, wenn aus social media like wirklich social wird?

Kommentar hinzufügen

Der Inhalt dieses Feldes wird nicht öffentlich zugänglich angezeigt.
Mit dem Absenden dieses Formulars, akzeptieren Sie die Datenschutzrichtlinie von Mollom.