Eine Woche ist es nunmehr her, da suchten Karsten und ich die PHP Unconference in Hamburg heim. Obwohl die Veranstaltung schon die vierte in Folge in Hamburg war, nahmen wir dieses Jahr erstmals daran teil und waren um so mehr gespannt, was uns erwarten würde.
Organisation
Eines vorweg: Die Organisation war super! Verantwortlich hierfür waren Florian Blasel, Ekkehard Dörre, Stefan J. Morgenroth, Markus Wolff und Sven Rautenberg.
Veranstaltungsort war das Geomatikum, ein Hochhaus, welches Teil der Hamburger Uni ist. Während sich alles andere im geräumigen Foyer abspielte, wurden nur die eigentlichen Talks in den angrenzenden Hörsälen abgehalten. Dadurch dass es dort gut 300 bzw. gut 100 Sitzplätze gab, musste auch niemand an der Tür stehen, wie man es von solchen Veranstaltungsorten kennt, an denen auch schon mal Weltklimakonferenzen stattfinden.
Mit dem Catering war ich sehr zufrieden. Außer dem erstaunlich leckerem Mittagessen (übrigens wurden auch Vegetarier hinreichend berücksichtigt) gab es vormittags belegte Brötchen und nachmittags Kuchen. Zudem gab es den ganzen Tag über frischen Kaffee und weitere Getränke.
Kein Interesse an Drupal :-(
Bei der Einführungsveranstaltung stellten sich alle Teilnehmer vor, die bereit waren, einen Talk zu halten. Vorschläge gab es reichlich, auch von Personen zu Themen, die hierzu keine Expertise anbieten konnten und hofften, dass sich jemand anderes für dies Aufgabe finden würde. Auch Karsten hätte gerne Drupal vorgestellt, aber das Interesse bei der anschließenden Abstimmung mittels kleiner bunter Aufkleber war leider so bescheiden, dass es dazu nicht kam.
Wobei ich mich frage, woran das liegen mag. Eine Möglichkeit wäre, dass die Anwesenden statt mit welchem CMS auuch immer lieber mit ihrer eigenen maßgeschneiderten Lösung arbeiten. Dabei ich muss ich aber immer an den aus dem Extreme Programming bekannten Truck Factor denken: Wie wahrscheinlich ist ein Scheitern des Projekts, wenn einer der Entwickler vom Truck überfahren wird? Vielleicht sind die Skills der Unconference-Teilnehmer aber auch einfach zu ausgeprägt, als dass eine kleine Einführung in ein weiteres CMS irgendjemanden vom Hocker hauen würde. In diesem Fall wäre das Interesse vielleicht größer gewesen, wenn man gleich in die Tiefe gegangen wäre, also z.B. das Hook-System erklärt hätte.
Community-Event? Na ja...
Die Veranstaltung schien für viele ausschließlich eine Gelegenheit gewesen zu sein, fachliche Informationen zu sammeln oder neue Mitarbeiter anzuwerben, woran ich auch gar nichts aussetzen möchte. Trotzdem bin ich von Drupal-Events her einen stärker ausgeprägten Community-Gedanken gewohnt, durch den man auch leicht mit bisher Unbekannten ins Gespräch kommt. Hier hingegen waren am Sonntag schon zahlreiche Namenskärtchen verschwunden.
Vielleicht habe ich aber auch einen falschen Eindruck gewonnen, denn die Abendveranstaltungen habe ich schließlich auch ausgespart, was zwar eher mit starker Müdigkeit zusammenhing, aber auch eher community-feindlich ist.
Talks
In Erinnerung geblieben sind mir die folgenden Talks:
Auf die verschiedenen Welten, die aufeinanderprallen, wenn Entwickler und Projektmanager zusammentreffen, haben Judith Andresen und Johann Hartmann hingewiesen. Dabei wurde mäßig informativ, dafür umso unterhaltsamer gegen alle an einem IT-Projekt Beteiligten kräftig ausgeteilt, was meist für weniger Gelächter sorgte, wenn es gegen Entwickler ging. Als vereinfachte Kernaussage blieb hängen: Redet miteinander! Versucht zu verstehen, was im anderen vorgeht, denn der lebt in einer völlig anderen Welt.
Über Software-Qualität in JavaScript referierten Martin Ruprecht und Jakob Westhoff. Spürbar wurde hierbei, dass es ein langer und anstrengender Weg für JavaScript-Entwickler ist, die Sprache aus der vermeintlichen Schmuddelecke der Developer-Welt herauszuführen, in der nur hässliche confirm-Aufrufe und onclick-Events mitten im HTML das Bild prägten. Dabei ist der JS-Anteil bei so manchem Projekt der Gegenwart bereits derart hoch, dass man um den sorgfältigen Einsatz allgemeiner wie JS-spezifischer Programmierkonzepte nicht mehr herumkommt.
Ingo Reinhart hat die NetBeans IDE vorgestellt, die mittlerweile hervorragend für die Entwicklung von PHP/HTML/CSS/JS geeignet ist. Lieber hätte ich diesen Talk vor etwa zwei Jahren erlebt, als ich selbst auf NetBeans umgestiegen bin, da vorrangig die absoluten Basics vorgestellt wurden. Trotzdem habe ich mich sehr darüber gefreut, dass überhaupt jemand für diese IDE wirbt. Denn wie immer gilt: Je mehr Personen eine Software nutzen, desto besser stehen die Chancen, dass sie sich weiter verbessert und an jüngste Entwicklungen zügig anpasst.
Fazit
Gut geplante Veranstaltung, überzeugende Vorträge, geringes Community-Feeling, kaum Interesse an Drupal oder ähnlichem.
Werde ich kommendes Jahr wieder dabei sein? Aber sicher.




















