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Gib dem Affen Zucker

Als ich neulich Ralfs Artikel über den Vortrag zu den Erfolgsaussichten von social media las, musste ich spontan daran denken, dass unter den 13% auch noch Konzepte sind, die aus den falschen Gründen, mit den falschen Motiven oder durch die falschen Menschen Erfolg haben.

Nach dem, was ich zuletzt über Mark Zuckerberg, den Besitzer von Facebook gelesen habe, gehört er scheinbar in eine dieser drei Kategorien. Facebook an sich dürfte ja durchaus bekannt sein, nutzen das nicht inzwischen nach Unternehmensangaben 500 Millionen Menschen weltweit. Aber was weniger bekannt sein dürfte, ist die Streiterei um den Anspruch Facebook, oder vielmehr die Idee dahinter erfunden zu haben. Wer ein bisschen gräbt, stößt auf Gerichtsprozesse, die durch Zahlung von enormen Summen seitens Facebook möglichst leise beendet wurden. Und wenn wir ehrlich sind: Wer bezahlt schon nicht geringe Mengen Geld, wenn er sich absolut sicher ist, im Recht zu sein? Auch einer der ersten Geldgeber ist unter den Klägern, mit denen sich Facebook einigte. Marc Zuckerberg gilt längst als Geschäftsmann der harten Schule. Jüngster Streich des Unternehmens: Verklagen der Lehrer-Website "teachbook" wegen des Wortes „book“ im Namen und der Versuch, das Wort „Face“ als Marke schützen zu lassen. Übrigens habe ich mich erkundigt, die Wörter „irre“, „abgehoben“ und „übertrieben“ stehen derzeit nicht als Markennamen zur Verfügung.

Privatsphäre ist für alle da – für alle anderen!

„Privatsphäre sei nicht mehr zeitgemäß“ lautet die Meinung von Zuckerberg und gleichzeitig die Begründung dafür, dass Facebook Daten wie Wohnort und Vorlieben im Dezember 09 nicht mehr nur für den Freundeskreis, sondern für alle Nutzer sichtbar waren. Seine Sozialversicherungsnummer, die im Laufe eines Prozesses bekannt wurde, wollte er dann sofort wieder löschen lassen. Nach massivem Protest auch aus der amerikanischen und deutschen Politik wurden die Änderungen Ende Mai teilweise zurückgenommen. Aber vielleicht dreht er sich auch nur unfreiwillig in einem Karussell, das er selber angeschubst hat und jetzt nicht mehr bremsen kann.

Umsätze – aber wie?

Facebook ist kostenlos, aber trotzdem wirft es Unsummen an Gewinnen ab und ist Milliarden wert. Der fehlende Zwischenwert in dieser Formel heißt Werbung, die umso besser funktioniert je mehr Daten die Nutzer frei geben. Dazu liegen die Daten auf Servern in den USA und das Unternehmen kommt bspw. der Forderung deutscher Behörden nicht nach, offenzulegen, wer Zugriff auf diese Daten hat. Auch landen die Daten Dritter zunehmend bei Facebook, indem Leute ihre Adressbücher abgleichen und so persönliche Daten auf den Servern landen, was ein Verstoß gegen deutsches Recht ist.

Facebook weiß viel über mich

Teilweise zu viel. Mit der ganzen Thematik hab ich mich erstmals auseinandergesetzt, nachdem Facebook mir nach einem Login vorschlug, diverse Filme und Serien zur Ergänzung meines Profils in der Sparte „mag ich“ hinzuzufügen. Ich war leicht irritiert, hatte ich in einem Anfall von Frühdemenz vergessen, diese Informationen herausgegeben zu haben? Nachdem ich meinen Kopf vorsorglich nach außerirdischer Technologie und Facebook-Schnittstellen abgetastet hatte, war ich mir eigentlich recht sicher, dass diese Informationen nicht von mir stammten. Blieb die Frage, woher dann soviel über mich ins Netz floss, da ich sonst auch eher vorsichtig bin. Grund ist ein kleines, etwas schmutzig anmutendes Detail: Der „Like“-Button. Der meldet Seitenbesuche an Facebook, auch ohne dass er geklickt wurde. Und jetzt schauen wir mal nach, wo man diesen Button so findet. Hoppla, Amazon.de z.B., klasse.

Facebook-Account überstürzt löschen

…sollte man deshalb nicht, zumal das eh nicht vollständig möglich ist, aber Gedanken über Gebrauch und Umgang sollte man sich doch mal machen. Vielleicht mal wieder ein Event telefonisch - oder noch altmodischer – im persönlichen Gespräch planen, schauen wo der Facebook-Button zuschlägt und die Einstellungen der Privatsphäre überprüfen. Jeder muss letztendlich selber entscheiden, wie viel Zucker er dem Aff… pardon, Berg gibt.

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