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DrupalCon, quo vadis? Ein Rückblick auf Kopenhagen

Heute ist Freitag, der 27. August, und die DrupalCon in Kopenhagen ist zu Ende gegangen. Es fanden noch Coding-Sprints statt, aber das eigentliche Programm ist zu Ende.

Mit seiner Bewerbung hatte sich das Kopenhagener Team um MortenDK gegen die Berliner Initiative rund um Stephan Luckow durchgesetzt. Im Vorfeld gab es eine kontrovers geführte Diskussion über die grundsätzliche Richtung der Cons. Einige haben sich beschwert, dass die Cons teurer werden und der Community-Charakter verloren geht. Andere verstehen das als Indiz einer Erwachsenwerdung - Drupal gewinnt an Bedeutung und professionalisiert sich.

In Kopenhagen konnte man leicht den Eindruck gewinnen, dass den steigenden Preisen ein schlechterer Service gegenübersteht.

Gelegenheit, sich Gedanken zu machen. Was macht eine Con substantiell gut? Was können wir aus Kopenhagen lernen und bei künftigen Entscheidungen über einen Veranstaltungsort berücksichtigen?

Was ist überhaupt eine DrupalCon?

Eine DrupalCon ist eine Art Kongress, zu dem Drupal-Profis und Interessierte kommen, um über spezielle Drupal-Themen Vorträge zu halten, zu hören und sich untereinander auszutauschen.

Eine DrupalCon ist aber auch das Community Event, bei dem sich die Drupaler treffen, die sonst nur miteinander chatten, mailen und skypen können.

Eine DrupalCon ist also automatisch schon deswegen gut, weil viele Drupaler kommen und interessante Sessions garantiert werden. Was zeichnet also eine gute Con aus? Wie lässt sich eine Con bewerten? Woraus besteht eine Con überhaupt noch, denkt man sich die Teilnehmer und das Programm weg?

Nun, meines Erachtens aus den Räumen, der Technik, der Organisiation, dem Catering und den Events drumherum.

Das Bella Center

DrupalCon, quo vadis? Ein Rückblick auf Kopenhagen

Der Veranstaltungsort war das "Bella Center", ein Kongresszentrum ca. fünf Kilometer südöstlich von der Innenstadt gelegen.
Die Freude über die eigene U-Bahnstation verflog auf dem ersten Weg: der Weg zum Eingang, der pfiffigerweise mit Drupalicon-Aufklebern als Breadcrumbs markiert war, führte um eine große Hotel-Baustelle herum und erwies sich als recht langgezogen.

Die Räume

DrupalCon, quo vadis? Ein Rückblick auf Kopenhagen

Die Räume waren modern ausgestattet. Es gab einen sehr großen Hörsaal - ausreichend für 1.300 Teilnemmer - mit drei Maxi-Leinwänden für Eröffnung, Keynotes und Schlussveranstaltung, der in drei größere Räume geteilt werden konnte und zusätzlich noch drei kleinere Räume. In den kleineren Räumen standen die Teilnehmer mitunter bis in den Flur. Für gut besuchte Sessions waren sie nicht ausgelegt.

Die Technik

Das WLAN war sehr robust und nur selten verstopft. Sehr beachtlich bei 1.200 Teilnehmern, die zum Teil mit Smartphone UND Notebook gleichzeitig online waren! Der Sound war sehr gut. Wenn die Speaker nicht zu verstehen waren, lag es höchstens am Dialekt. Ich habe zu Beginn etwas gebraucht, bis ich verstanden habe, was "Mardschils" sind. Schmerzhaft war die dreimalige extrem (!) laute Mikrofon-Rückkoppelung in der Drupal Teaching Session. Immerhin waren alle sofort hellwach und konnten der Session gut folgen. Aber das war die einzige Störung, die ich erlebt habe. Helfende Hände waren sofort zur Stelle und haben das Mikro getauscht.

Das Catering

Am ersten Tag gab es Lunchpakete der Art, wie sie üblicherweise erst ab 8.000 Metern Höhe serviert werden. Das wenige Essen war in reichlich Kunststoff verpackt. Eine immense Müllerzeugung, freiwillig und ohne jede Not. Für mich in keiner Weise nachvollziehbar.

Einige Teilnehmer bekamen am ersten Tag keine Pakete mehr ab. Vermutlich ließ sich der Caterer erst auf Beschwerde der Organisatoren dazu herab, einige Portionen nachzuliefern. An den kommenden Tagen gab es Mittwoch ein verpacktes Sandwich mit Mars oder Snickers und Donnerstag Hotdogs.

Vegetarier hatten richtig schlechte Karten.

Kaffee und Tee gab es nur zweimal am Tag. Im Gebäude gab es Kaltwasserspender. Sonstige Getränke waren Fehlanzeige.

Das Catering kann man beim allerbesten Willen nur als Katastrophe bezeichnen. #cateringsucks entwickelte sich zu einem der häufig verwendeten Hashtags der Veranstaltung.

Die Events

DrupalCon, quo vadis? Ein Rückblick auf Kopenhagen

Als Abendprogramm hatten die Organisatoren die Australian Bar im Herzen Kopenhagens reserviert und in "FooBar" umbenannt. Für die Teilnehmer gab es kostenlos Bier "awesomesauce" und Sekt. Das Bier wurde schon im Vorfeld stark gehypt. Ich persönlich finde es bedenklich, wenn es keine nicht-alkoholischen Getränke gibt. Das Image des Bier saufenden Core-Entwicklers finde ich persönlich weder zutreffend noch förderlich.

Cool war der Auftritt der "Kitten Killers", einer Band, die aus Mitarbeitern von NodeOne, einem schwedischen Drupal Dienstleister, besteht.

Uncool war es in der FooBar an den Tischen festzukleben. Wie ich gehört habe, war das nicht nur an unserem Tisch der Fall. Da es auch zu laut zum Reden war, haben wir uns die FooBar nur am ersten Abend gegeben und sind an den anderen Tagen abends Essen gegangen.

Die Organisation

Da ich von der Organisation selbst nichts mitbekommen habe, würde ich sagen, sie hat ausgezeichnet funktioniert. Herzlichen Dank an das Team, das dafür gesorgt hat, dass die Abläufe so gut funktioniert haben.

Mein Fazit

Den kritischen Artikel "Why we should fear Wordpress" zur Entwicklung von Drupal im Blog von Chapter Three fand ich sehr bemerkenswert. Jennifer Lea Lampton hat eine Session "WordPress is better than Drupal: developers take note." gehalten, an der ich leider nicht teilgenommen habe. Die Twitter Kommentare deuteten darauf hin, dass sie den wunden Punkt von Drupal - seine im Vergleich mit WordPress schlechtere Usability - empfindlich getroffen hat.

Im Licht der überschwänglichen Selbstbeweihräucherung auf der Closing Session betrachtet, täte der Community etwas mehr Selbstkritik gut. Drupal hat sich ohne Frage zu einem der mächtigsten OpenSource-System entwickelt. Die Entwicklung von Drupal innerhalb der letzten Jahre und die Aussichten auf Drupal7 sind beeindruckend. Wir müssen aber zusehen, dass dies so bleibt und dass die Verbesserung der Usability im gleichen Maß statt findet.

Zum Launch von WordPress 3 und der Implementierung von Content Management hat chx getwittert, dass sich WordPress damit auf dem Stand von Drupal von 2005 befindet. Daraufhin hat Dries zurückgetwittert, dass sich Drupal hinsichtlich der Bedienbarkeit heute auf dem Stand von Wordpress im Jahre 2008 befindet.

"Come for the software and stay for the community."

Dies wird der neue Slogan für das Drupal Marketing. Den Slogan kann man auch im Sinne von "Back to the roots" verstehen und als Hinwendung an das Wichtigste für Drupal: Drupal gewinnt vor allem aus seiner Community Stärke.

Während der Con wurden Vorschläge getwittert, eine zukünftige DrupalCon auf einem Campingplatz stattfinden zu lassen. In der Größe einer Con mit vierstelligen Teilnehmerzahlen ist das sicherlich kaum ernst gemeint. In dem Bild kommt aber der Wunsch nach einer inneren Verbundenheit der Community treffend zum Ausdruck. Heute saßen etwa 150 Entwickler auf dem Coding-Sprint zusammen und haben gemeinsam an Drupal7 gearbeitet. Kaffee und Getränke standen wieder nicht zur Verfügung. Die Organisatoren sollten bedenken, dass heute 150 Idealisten zugunsten der Gemeinschaft darauf verzichtet haben, an eigenen Projekten Geld zu verdienen. Ich befürchte, dass die Wertschätzung "der Oberen" für die Entwickler an der Basis verloren gehen kann.

Die Kopenhagener Con wirkte auf mich insgesamt großkotzig. Diese Arroganz können und sollten wir uns nicht leisten, wenn wir mit Drupal weiter wachsen und Menschen begeistern wollen.

DrupalCon, quo vadis? Ein Rückblick auf Kopenhagen
DrupalCon, quo vadis? Ein Rückblick auf Kopenhagen
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Kommentare

Danke für den interessanten Bericht ...

und natürlich auch für Euere persönlichen Gedanken und Meinungen zu Kopenhagen. Obwohl ich es mir verschiedentlich schon häufig vorgenommen hatte, mal so ein DRUPAL Event zu besuchen, habe ich es leider bisher aus verschiedensten Gründen noch nie geschafft ...

Allerdings bei der vorgetragenen Kritik erscheint das jetzt doch nicht mehr soooo tragisch :-) Irgendwann wirds sicherlich mal klappen ... spätestens, wenns mal ne CON in Süddeutschland gibt ...

Guter Bericht

Danke Ralf für den Bericht. Eine gute Zusammenfassung dessen, was ich schon von diversen Leuten und Quellen gehört habe. Auch wenn ich nicht da, war teile ich Deine Meinung und Kritik was den "Spirit" und den Focus der DrupalCon angeht. Die Community muss immer im scharfen Focus stehen und das "Wohlfühlen" der Drupal-Programmierer sollte erste Priorität haben.
Vielleicht sollte man einmal darüber nachdenken, in Zukunft Community- und Business-Events deutlicher zu trennen und eine DrupalBiz und eine DrupalCon getrennt veranstalten...

interessant

Danke für diesen interessanten Bericht. Ich war leider nicht dabei - wegen des Preises und wegen der von Dir erwähnten "Großkotzigkeit" und Entfernen von der Community. Das werden wir nicht zurückdrehen können, aber ich finde ein europäisches Camp in Deutschland eine super Alternative. Darauf hoffe ich jetzt.
Macht Ihr mit?

Wie ich es so fand

Die Drupal Con Kopenhagen hat für mich zwei Gesichter.

Pro

Ich habe so viele tolle Leute wieder gesehen und kennen gelernt und das macht mich richtig glücklich. Randy Fay hat mir sehr bei meiner Session geholfen und ist ein wirklich toller Typ.
Jede Nacht habe ich in der Code Lounge verbracht und war nie vor 3 im Bett. chx hat dort von einem noch besseren Drupal und vielen anderen Dingen erzählt und es sind auch so viele andere Dinge da passiert. Wenn in der Zeit weniger an Views 3 gearbeitet wurde, dann bin ich schuld, da ich Daniel davon abgehalten habe ;) Was für eine tolle Erfahrung!

International war auch so viel los. Ich werde der japanischen User Group in Kyoto und den anderen die da waren eine Postkarte schicken. Mitten in der Nacht standen 6 Amerikaner vor unserem Appartement und fragten wo die Party ist. Nicht bei uns, aber kommt ruhig rein. Das war einfach alles so richtig begeisternd. Die Community arbeitet und feiert zusammen. Auch wenn ich diese Menschen alle nicht wirklich kenne, fühlt es sich wie ein Treffen unter Freunden an!

Contra

Aber dann ist da diese andere Seite der Con und Ralf hat es, glaube ich, gut zur Sprache gebracht. Ich habe mich einfach nicht wirklich wohl unter dem Dach des Bella Center gefühlt. Vom Business her wäre ich lieber in Hamburg geblieben, hätte gearbeitet und in Deutschland Networking betrieben.
Man sieht das Problem sehr gut an der Abschlussveranstaltung. Da wird vorher getweetet, das es #epic wird, was es aber einfach nicht war. Ich kam mir vor, als wenn ich einer Sitcom bei wohne und ich hasse Sitcoms. Eine Beweihräucherung der eigenen Tätigkeit.
Dass das Team nicht im Block aufgetreten ist und etwas sagen durfte, sondern nur ein Teil davon und der Rest schnell auf die Stühle gesetzt wurde, fand ich befremdlich. Die Kritik mit dem Kaffee wurde sofort abgewürgt und es wurde nicht mal gesagt, dass man etwas verbessern könnte. Ist wohl auch kein Wunder, denn die Statisten auf der Bühne haben es anscheinend auch nicht mehr in der Hand, was mit der Con eigentlich passiert.
#epic war der Auftritt der Kitten Killers. Das war eine wirklich schöne Community Sache. Und auch die Verleihung des Preises für das Kartenspiel. Ansonsten hätte ich mir das aber alles sparen können. Vielleicht sollten wir nicht nur bei den Keynotes auf Political Correctness achten, sondern auch bei dem Auftreten der Veranstalter. Nur gratis Alkohol auf den Parties finde ich einfach nur daneben. Ich habe mich über das Bier gefreut, da es eine witzige Idee war. Aber nur Bier und Sekt umsonst ist einfach daneben. In der Coder Lounge gab es wenigstens noch Kaffee, aber #cateringsucks kann ich nur bestätigen.

Mir hat die Con gefallen und ich will Chicago unbedingt besuchen. Aber ich hoffe London lernt schon mal etwas aus dieser Con und wird es anders machen. Wenn wir irgendwann mal eine in Deutschland machen, dann wird das anders werden. Dafür kenne ich die deutsche Community zu gut!

Interessant. Auch ich habe es

Interessant. Auch ich habe es nicht geschafft und finde es schade, die Community als auch die wunderbare "Druckbetankung" durch tolle Sessions verpasst zu haben. Die Randbedingungen klangen allerdings wenig erfreulich (#cateringsucks), und dein Fazit mit "grosskotzig" ist etwas erschreckend. Hoffen wir, dass Drupal trotzdem mit Schwung weiterläuft, es ist ein tolles System.

Danke für den Bericht und hoffentlich bis bald :)

I like...

Super geschrieben, und auch wenn ich schon mehrfach gehoert habe, dass das Camp in Muenchen viel besser war, bin ich traurig, dass ich nciht da war..... wegen der Community.
Danke fuer diese sehr informative und aufschlussreiche Zusammenfassung...

Danke an Alle, die sich fuer diese Con, und viel wichtiger, fuer Drupal eingesetzt haben...
...wir sind noch lange nicht am Ziel, aber wir gehen einen richtigen Weg...

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