Gestern war wieder Webmontag in Hamburg. Seit seiner mehrmonatigen Pause boomt der Webmontag wie irre. Zum ersten Mal in der Geschichte des Webmontags musste die Teilnehmerzahl begrenzt werden, da selbst das Otto Forum nur Platz für 150 Teilnehmer bietet.
Das Otto Forum ist vielen als Veranstaltungsort des Hamburger Barcamps bekannt. Die Location ist berüchtigt für ihr tolles Catering ;-)
Herzlichen Dank an dieser Stelle für das Team von Otto, die nicht nur Getränke und Brötchen-Buffet aufgefahren haben, sondern auch gleich das Personal, das emsig und freundlich für einen reibungslosen Betrieb gesorgt hat.
Das Thema der Veranstaltung war Datenschutz. Dazu waren fünf Vorträge angesetzt, von denen einer terminlich bedingt ausfiel.
- Google Analytics vs. Piwik (Rene Sasse)
- Gesetzliche Rahmenbedingungen für den Datenschutz in der Webanalyse (Christian Bennefeld)
- Open Privacy: Transparente Privatsphäre als demokratische Chance/Chance für die Wirtschaft? (Walter Matthias Kunze)
- Wert der Privatsphäre (Judith Halama)
Die Organisatoren hatten die Vorträge unmittelbar hintereinander ohne Fragerunden dazwischen angesetzt. Nach einer kurzen Pause fand eine Podiumsdiskussion mit allen Vortragenden zu Fragen aus dem Publikum statt.
Die hat für mein Gefühl überraschend gut funktioniert, da aufgrund des gemeinsamen Themas auch eine allgemeine und spannende Diskussion zustande kam. Insgesamt empfand ich die Diskussion interessanter und lebendiger als die Vorträge. Renes Vortrag war dabei der einzige, der für mein Empfinden werbefrei und echt "open knowledge" war.
Denunziation wird salonfähig?
Als Gegenbeispiel war der Vortrag des etracker Gründers und Geschäftsführers herausragend. Im erklärenden Vortragsstil der Sendung mit der Maus vorgetragen war er fachlich absolut überzeugend. Unangenehm fand ich, dass er dreimal wiederholt hat, dass er Kunden seiner Wettbewerber - Krankenkassen und andere Unternehmen, die Google Analytics einsetzen - bei den Hamburger Datenschutzbehörden denunziert hat.
Er hat sich bitterlich beklagt, dass die Behörden bislang noch keine Exempel statuiert haben. Im Gegenteil lehnen es die Datenschutzbeauftragten anscheinend ab, sich von einem Privatunternehmen zu Abmahnwellen instrumentalisieren zu lassen und alle Unternehmen zu sanktionieren, die Kunden von Wettbewerbern sind. Zugegeben: für Besucher von mit Google Analytics getrackten Seiten gibt es keine Widerspruchsmöglichkeit gegen die Speicherung ihrer Daten. Google schert sich einen Dreck um deutsche Datenschutzbestimmungen. Dies ist unzulässig und widerspricht geltendem Recht. Es hätte aber gereicht, dies zu benennen.
Enttäuschend fand ich, dass es keinen Widerspruch aus dem Publikum zu der offen vorgetragenen Denunziations-Kultur dieses Unternehmens gab.
Die unzutreffenden Diffamierungen von OpenSource gingen dabei in der vorvorletzten Folie unter: Amateure sparen Lizenzkosten, Profis kaufen. Ich empfehle Herrn Bennefeld eine Sessionteilnahme über die Nachhaltigkeit von Opensource.
Webmontag - quo vadis?
Mit dem hohen Anteil werblich auftretender Sprecher und so vielen Teilnehmern besitzt der Webmontag nicht mehr den Charme einer UserGroup, bei der sich Interessierte gegenseitig austauschen. Das heimelige Gefühl von UserGroup kam eher im anschließenden Networking zum Ausklang der Veranstaltung auf. Es ist schön sich darauf verlassen zu können, die "üblichen Verdächtigen" treffen zu können, und ich freue mich schon auf den OpenCoffeeClub morgen. Henrike, Claudia, Heiko, Ralph und Kai: hat Spaß gemacht, mit Euch zu klönen! Leider habe ich versäumt, mir von zwei netten Leuten am Tisch die Karte geben zu lassen. War schön mit Euch! Wenn Ihr das lesen solltet, kontaktet mich gern auch bei XING...
Ich bin gespannt darauf, wie sich das neue Format "Webmontag" in Zukunft weiter entwickelt. Gleichzeitig wünsche ich mir auch einen "intimeren" Wissensaustausch. Es bleibt immer spannend, über den eigenen Drupal-Tellerrand zu schauen.














